Veilchen-Ausstellung
Jedes Stiefmütterchen ist ein Veilchen, aber nicht jedes Veilchen ist ein Stiefmütterchen

1) Botanisches für alle!

Viola odorata (Duftveilchen) ist ein Bewohner des lichten Schatten und wächst ideal unter höheren Bäumen, Sträuchern oder im Hausschatten. Wichtig ist eine hohe Luftfeuchtigkeit, daher sollte man die Veilchen an zu trockenen Tagen überbrausen. Das Überbrausen vermeidet auch die lästigen Spinnmilben.

Um so richtig in den Genuss des herrlichen Duftes zu kommen, braucht man eine große Fläche von Veilchen - da muss vermehrt werden. Das ist jedoch kein Problem! Die Pflanzen machen schöne Ausläufer, die bei Erdkontakt wurzeln. Und dann gibt es ja noch die Saat. Allerdings, aus der Tüte ist sie nur bedingt tauglich, den einmal trocken geworden, ist sie tot. Daher lassen wir die Pflanze sich selbst aussäen und verpflanzen sie erst dann. Dabei hat man sogar Hilfe, denn Ameisen verschleppen die Samen im ganzen Garten. Dafür hat die Natur gesorgt, denn die Samenkörner sind von einem schmackhaften Samenmantel umhüllt.

Veilchen sind "Thermometer", denn rosa Veilchen werden bei Kälte blau, rote und violette wandeln ihre Farbe ins Schieferblaue. Also erst in den Garten gucken und dann warm anziehen.

Die Pflanzen reagieren sowieso stark auf Temperaturen. Nur unter 8-10 °C werden Blütenknospen gebildet. Ist es wärmer, so bildet sich in den Knospen ohne Bestäubung gleich Saat (Kleistogamie). Daraus folgt: die Veilchen nur in kühlen Räumen vortreiben und erst mit Blüten ins warme Zimmer holen, sonst bleibt die Blüte aus.

Veilchen sind starke Zehrer oder "Fresser". Das heißt, sie freuen sich über eine Gabe frischen Kompost, über Hornspäne oder eine Flüssigdüngung zur Blüte.

Alle großblumige und gefüllte Veilchen sind für einen leichten Winterschutz dankbar (ein paar Fichtenreiser genügen schon).

Zu Veilchen passen natürlich andere Frühlingsblüher, wie Primeln, Schneeglöckchen und Aurikeln. Wir kombinieren gerne mit kleineren Funkien-Arten, da deren Blätter erst recht spät erscheinen und im Sommer willkommene Schattenspender sind.

2. Gedachtes, gelesenes und gehöres!

"Ein Tag im Frühling ohne Veilchenduft ist ein verlorener Tag" Paracelsus

In der Antike begann es: Göttervater Jupiter hat sich verliebt! Auf Drängen der eifersüchtigen Ehefrau verwandelt er das Mädchen in eine Kuh und als Entschuldigung den Rasen unter ihr in dreifarbige Blümchen (Viola tricolor).
(Wahr daran ist zumindest, das Kühe gerne Ackerveilchen fressen, im Gegensatz zu Schafen und Ziegen)

Im 18. Jahrhundert legte man ein Sträußchen Stiefmütterchen auf die Schwelle des Menschen, von dem man sich missverstanden oder missachtet fühlte.

Veilchenwurzeln galten als Aphrodisiakum. Nachdem der nicht sehr attraktive Gott Vulkanus sich mit Veilchenwurzeln einrieb, wurde er von an von Venus erhört.

Goethe, nicht nur Dichter, sondern auch Gärtner, soll rings um Weimar die Veilchen vermehrt haben, indem er immer ein paar Samen in der Rocktasche mitnahm. (Das es hierbei einige Problem gibt, lesen Sie im Teil Botanik)


Namensgebung: Stiefmütterchen

Die böse Stiefmutter sitzt auf zwei Stühlen, Ihre leiblichen Kinder jeweils zur rechten und linken Seite. Die Stiefkinder müssen sich einen Stuhl teilen.

Andere Deutungen weisen auf die Benutzung des Wurzelabsuds als Abtreibungsmittel hin.

Auch das grämlich aussehende Gesicht soll manche an Ihre Schwiegermutter erinnert haben.


Symbolwert:

Das Veilchen steht für Demut und Bescheidenheit


Brauchtum:

In den Dörfern wurden die ersten Veilchen auf eine Stange gesetzt und umtanzt. In den Städten wurde derjenige Frühlingsherold, der mit dem ersten Veilchen auf einem Stock vor dem Tor erschien. Er wurde feierlich begrüßt und bekam einen Ehrentrunk.


Heilpflanze:

  • Die Veilchenwurzel dient als Brechmittel (leicht abkochen).
  • Veilchensirup ist ein Hustenmittel für Kinder und Veilchentee ein gutes  Gurgelmittel bei Halsentzündungen.
  • Er wirkt beruhigend und hilft bei Kopfschmerzen.
  • In der Aromatherapie dämpft der Veilchenduft Aggressionen.
3. Veilchen-Küche

Kandierte Veilchen:
Veilchenblüten als essbare Dekoration:
Blüten in Eiweiß tauchen, mit Puderzucker bestreuen und im Backofen langsam trocknen. (genussvoll vernaschen)
Odorata-Sirup: Etwa 200 blaue Blüten in einem verschließbaren Topf mit ca. 250 ml siedendem Wasser (stilles Mineralwasser am besten) überbrühen. Den Topf schließen und mit mehrmaligem Schütteln 24 Stunden ziehen lassen.
Den Aufguss durch ein angefeuchtetes Leintuch filtern (nicht ausdrücken). Das Filtrat mit 400 g Zucker und einigen Teelöffeln Zitronensaft aufkochen. (Farbveränderung von purpur zu magentarot). Das ganze ca. 10 min. köcheln und den Schaum abschöpfen. Den heißen Sirup in vorher gut getrocknete saubere Flaschen gießen.
... und nun kann das Verfeinern losgehen.
...Veilchen-Creme, Veilchen-Eis, Veilchen-Gelee....

Erfrischungsgetränk mit Honig:
20g getrocknete Veilchen und 40g getrocknete Hagebutten mit kochendem Wasser übergießen und 10 min ziehen lassen. Durch ein Sieb abgießen und nach dem abkühlen nach Geschmack mit Honig süßen.

Veilchenbowle:
Die Blüten stark duftender Veilchen in einer Tasse Cognac und einer halben Flasche Wein ca. 8 Stunden ziehen lassen und dann durch ein Sieb gießen. Etwa 200 g Zucker mit dem Rest des Weines verrühren und zum Veilchenextrakt geben – Wohl bekomm´s!

Veilchenblütengetränk mit Honig:
40 g getrocknete Veilchenblüten mit 1 l kochendem Wasser überbrühen. Etwa 150 g Honig in Wasser auflösen und mit dem Aufguss mischen. Das Ganze mit dem Saft einer Zitrone abschmecken.

Veilchenlikör:
Gut ausgelesene und kurz ausgespülte Veilchenblüten (100 g) mit Doppelkorn (0,5 l/40 Vol.-%) übergießen und 4-5 Wochen stehen lassen. Den Likör nach Geschmack mit Veilchenblütensirup süßen.

Veilchenessig:
Zwei Handvoll frische Veilchenblüten in eine schöne Flasche füllen und mit einem halben Liter Weinessig übergießen. Ca. zwei Wochen auf der Fensterbank ziehen lassen. Anschließend filtern und kühl und dunkel lagern - interessant für Salate.

Hustenblütenhonig:(nach Ursel Bühring)
Frische Veilchenblüten in ein sauberes Glas füllen (eine Schicht) und anschließend mit möglichst geschmacksneutralem Honig (z.B. Akazie) übergießen.
Zusätzlich können Schichten aus Gänseblümchen, Thymian, Malven, Königskerzen, Majoran und Gundermann eingefüllt werden. Jeweils mit einer Schicht Honig abgießen.

Veilchenmarmelade:
250 g Veilchenblüten und -blätter gründlich verlesen, vorsichtig waschen und im Mörser zerstoßen. Mit 750 g Zucker bei mittlerer Hitze 10 min. kochen und dann mit einem Holzlöffel (!) 250 g Apfelmus unterrühren. Dann kurz aufwallen lassen und in Gläser füllen.
Geflügelcocktail mit Veilchenblüten: 100 g gekochte Geflügelbrust in feine Streifen schneiden und aus dem Saft einer Zitrone, Glutal, Curry, Piment und Salz eine Marinade bereiten. 0,1 l Weißwein mit 30 g Veilchenblüten ansetzen und gut durchziehen lassen. Das Geflügel mit dem Veilchenansatz vermengen, nachwürzen und auf Kopfsalatblättern servieren.

Frühlingsblütensalat:
Veilchenblüten, Huflattichblüten und Gänseblümchen leicht hacken (einige für die Dekoration übrig lassen). Mit einem gekochtem Ei und gewürfeltem Schinken mischen. Marinade aus Essig, Öl und Saurer Sahne würzen und mit Kräutern verfeinern (Kerbel, Zitronenmelisse)

Rezepte aus: Koschtschejew, Wildwachsende Pflanzen in unserer Ernährung und Veilchenblätter Gärtnerei Gaissmayer

4. Basteln mit Veilchen

Blüten zwischen zwei saugfähige Lagen Papier legen, gleichmäßig beschweren und etwas eine Woche pressen. Daraus lassen sich entzückende Frühlingsbilder, Briefpapiere und Tischkarten basteln.

Wenn man schöne Einzelblüten auf ein Stück farbiges Papier kopiert, lassen sich diese Vorlagen im Kopieshop problemlos auf glatte Tischdecken oder Servietten kopieren (T-Shirt Druck)

Versuchen Sie einmal gepresste Stiefmütterchen einzulaminieren und als Fensterschmuck zu verwenden.

Auf edle handgeschöpfte Papiere oder Vliese geklebte gepresste Blüten können zu einem reizvollen Raumschmuck verarbeitet werden.

5. Mehr Informationen zu Veilchen

aktuelle Bücher zum Thema

Viola Veilchen, Stiefmütterchen, Hornveilchen, von Fritz Köhlein, Ulmer Verlag 1999, ISBN 3-8001-6655-0

Stiefmütterchen und Veilchen, von Marion Nickig/Elke von Radziewsky, Ellert & Richter Verlag Hamburg, 1999

Ein Garten der Düfte, von Helga Urban, BLV, München, 1999, ISBN 3-405-15406-5

Handbook of Japanese Violets, von Seiya Tabuchi, 1996, ISBN 4-88616-069-7 (japanisch mit Botanischen Bezeichnungen)

Pansies, Violas and Violettas, von R. Fuller, The Crowood Press, 1990, ISBN 1852237481 (englisch)

Pansies, Violas and Sweet Violets, von E. Farrer, Hurst Village Publihing, 1989, ISBN 0951248111 (englisch)


im Internet finden sich unter anderem:


International Violett Association veröffentlicht ihr Journal im Internet (englisch). Darin finden sich interessant Berichte über Arten und Sorten, Exkursionsberichte, eine kulinarische Ecke sowie viele nützliche Querverweise.

Eine umfangreiche Sammlung über Veilchen-Links findet sich auf den Seiten von Helga und Klaus Urban. Außerdem lässt sich hier das sehr schöne und signierte Buch "Ein Garten der Düfte" bestellen.

Les Violettes  zeigt unter anderem fantastische Bilder und Zeichnungen in einer schönen Homepage. (französisch)

Interessante Bilder, Artikel und Links finden sich bei www.ionia.demon.co.uk (englisch)

Mail-Brandt: weiteren Veilcheninformationen


Wir freuen uns natürlich jederzeit über Hinweise auf interessante Homepage oder Bücher zum Thema. Bitte senden Sie uns eine Mail.

6. Gedichtetes, gedachtes oder gesungenes

Das Veilchen
von Christian Felix Weise

Warum, geliebtes Veilchen, blühst
Du so entfernt im Thal?
Versteckst dich unter Blättern, fliehst
Der stolzen Blumenzahl.

Und doch voll Liebreiz duftest du;
Sobald man dich nur pflückt,
Uns süßre Wohlgerüche zu,
Als manche, die sich schmückt.

Du bist der Demuth Ebenbild,
Die in der Stille wohnt,
Und den, der ihr Verdienst enthüllt,
Mit frommen Dank belohnt.

ER Ist´s
von Eduard Mörike

Frühling läßt sein blaues Band
wieder flattern durch die Lüfte;
süße, wohlbekannte Düfte
streifen ahnungsvoll das Land.
Veilchen träumen schon,
wollen balde kommen.
- Horch, von fern ein leiser Harfenton!
Frühling, ja, du bist's!
Dich hab ich vernommen!


Veilchen
von Maria Stiefl-Cermak

Purduftendes, zartgliedriges Frühlingskind.
Dein Blühen ist wie ein Streicheln
für die zitternde Erde.

Frühlingsdurchtränkt
wartest du auf das warme Leben
deinem kindlichen Dasein
wachsen die Gräser wie ein Baum.

Webt der übermütige Sommer
schon ungeduldig
Blütensterne.

Dem kleinen Veilchen gleich
das im Verborgenen blüht:
Sei immer fromm und gut,
auch wenn dich niemand sieht.

Blüh wie das Veilchen im Moose,
sittsam, bescheiden und rein.
Und nicht wie die stolze Rose,
die immer bewundert will sein.

Das Veilchen
von Johann Wolfgang Goethe

Ein Veilchen auf der Wiese stand,
Gebückt in sich und unbekannt;
Es war ein herzigs Veilchen.
Da kam eine junge Schäferin
Mit leichtem Schritt und
munterm Sinn
Daher, daher,
Die Wiese her, und sang.

Ach! denkt das Veilchen, wär ich nur
Die schönste Blume der Natur,
Ach, nur ein kleines Weilchen,
Bis mich das Liebchen abgepflückt
Und an dem Busen matt gedrückt!
Ach nur, ach nur
Ein Viertelstündchen lang!

Ach! aber ach! das Mädchen kam
Und nicht in acht das Veilchen nahm;
Ertrat das arme Veilchen.

Es sank und starb und freut' sich noch:
Und sterb' ich denn, so sterb' ich über doch
Durch sie, durch sie, 
Zu ihren Füßen doch.

Diese Informationen auch zum Download

Hier können Sie die Veilchen-Blätter (329 KB) mit folgenden Informationen:

1. Botanisches für alle!
2. Gedachtes, gelesenes und gehörtes!
3. Veilchen-Küche
4. Basteln mit Veilchen
5. Mehr Informationen zu Veilchen
6. Gedichtetes, gedachtes oder gesungenes

sowie die Preisliste (20 KB) als "PDF" downloaden.



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